Corona Fragen und Antworten…

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ALG II-Beziehende: Jetzt Antrag auf digitales Endgerät für Homeschooling stellen


Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat in einer am 1. Feb. 2021 herausgegebenen Weisung festgestellt, dass rückwirkend ab Jan. 2021 ein Anspruch auf Übernahme der Kosten für digitale Endgeräte in Höhe von bis zu 350 € im SGB II besteht, wenn diese für das Homeschooling benötigt, aber nicht von den Schulen bereitgestellt, werden.

Harald Thomé, Referent für Sozialrecht verweist in seinem aktuellen Tacheles-Newsletter darauf,  dass für ALG II-Beziehende ab dem 1. Januar 2021 digitale Endgeräte und Drucker vom Jobcenter auf Zuschussbasis zu übernehmen sind. Grundsätzlich seien alle Schülerinnen und Schüler bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs, die eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen, berechtigt, diesen Anspruch geltend zu machen. Berechtigt sind zudem Schülerinnen und Schüler, die eine Ausbildungsvergütung erhalten. Die Leistungsberechtigten müssen beim Jobcenter dazu einen Antrag stellen und nachweisen, dass es anderweitig keine Kostenerstattung bzw. Sicherstellung des Bedarfes gibt.

Die Höhe des Zuschusses ist im Einzelfall (soweit vorhanden) auf der Grundlage der schulischen Vorgaben zu ermitteln und sollte im Regelfall den Gesamtbetrag von 350 EUR je Schülerin oder Schüler für alle benötigten Endgeräte (z. B. Tablet/PC jeweils mit Zubehör) nicht übersteigen, so die BA in der Weisung. Die Regelung greift zum 1. Januar 2021, so dass entsprechende Kosten auch rückwirkend geltend gemacht werden können.

Um den Anspruch zu erhalten, bedarf es eines Antrages und eines Nachweises der Schule über die Notwendigkeit der digitalen Endgeräte. Dazu hat Tacheles jetzt Musteranträge zur Verfügung gestellt. Voraussetzung für den Anspruch ist, dass kein Gerät für die Schülerin oder den Schüler vorhanden, oder ein vorhandenes nicht (mehr) benutzbar ist und die Schule keines zur Verfügung stellen kann. Der Anspruch auf ein digitales Endgerät besteht übrigens pro Kind und nicht nur pro Haushalt.

In unserem Musterschreiben wird auf Leistungsberechtigte nach dem SGB II; SGB XII und Analogleistungen beziehende Geflüchtete und AsylbLG-Leistungen Beziehende eingegangen.

Einen Infotext und Musteranträge sind hier zu finden: https://tacheles-sozialhilfe.de/startseite/aktuelles/d/n/2739/

Tacheles hat vor einiger Zeit die Kampagne „Schulcomputer sofort!“gestartet, welche von vielen Gruppen mitgetragen und aufgegriffen wurde. Mit der aktuellen Weisung konnte sie in weiten Teilen erfolgreich abgeschlossen werden.

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Familie: Alleinerziehend und alleingelassen

Die Balance zwischen Arbeit im Home Office und Kinderbetreuung in der Corona-Krise stellt besonders Alleinerziehende vor Schwierigkeiten. Doch es gibt Angebote, die ihnen helfen können.
Mutter und Kind im Homeoffice

Das Schlimmste ist das Home Schooling. Die Arbeitsblätter von der Schule kommen per Mail, danach sind Ute Durchholz und ihr Sohn auf sich gestellt. Zwei Stunden Schulaufgaben am Tag seien möglich, bis der Achtjährige, der eine Rechenschwäche hat, die Motivation verliert. Damit bleibt die Mutter dann genauso allein wie mit der Frage, wie sie nebenher noch ihren Job im Home Office und den Haushalt bewältigen soll. »Als Alleinerziehende fühlt es sich immer an, als wäre die Bettdecke zu kurz«, sagt Durchholz. »Irgendwas guckt immer raus, und das ist unangenehm: Kümmere ich mich mehr um meinen Sohn und reduziere die Arbeit, habe ich weniger Geld. Arbeite ich mehr und habe ausreichend Geld, fehlt mir die Zeit für meinen Sohn.«

In jeder fünften deutschen Familie ist ein Elternteil alleinerziehend, in etwa 90 Prozent der Fälle sind es die Mütter. Und vielen von ihnen dürfte es wie Durchholz gehen. Eine qualitative Studie, die im »Journal of Family Issues« veröffentlicht wurde, zeigt, dass ihre Situation keine Ausnahme ist: Amerikanische Forscherinnen befragten dafür alleinerziehende Mütter, wie es ihnen angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen geht. Die Wissenschaftlerinnen verglichen dabei die Antworten von Frauen aus Ein- und Mehr-Erwachsenen-Haushalten. Während Ein-Erwachsenen-Haushalte nur aus der Mutter und ihren Kindern bestehen, leben in Mehr-Erwachsenen-Haushalten beispielsweise auch die Großeltern. Die Forscherinnen fanden heraus, dass vor allem Frauen in Ein-Erwachsenen-Haushalten stark durch die Anforderungen gestresst waren, die zeitgleich ihre Aufmerksamkeit beanspruchten: die Arbeit und die Versorgung der Kinder.

Ute Durchholz hätte ihren Sohn als erwerbstätige Alleinerziehende in Nordrhein-Westfalen einige Wochen nach Beginn der ersten Schulschließungen im März 2020 in die Notbetreuung geben dürfen. Sie verzichtete aber darauf. Und auch in der Woche vor Weihnachten, in der Eltern von Erst- bis Siebtklässlern in Nordrhein-Westfalen entscheiden konnten, ob sie ihr Kind zur Schule schicken oder nicht, blieb Durchholz’ Sohn zu Hause. Vor allem weil sowohl der Vater, der zur Risikogruppe gehört, als auch die Mutter Sorge hatten, dass ihr Kind das Coronavirus mit nach Hause bringen könnte. Durchholz’ größte Angst ist es, nicht mehr zu funktionieren. Wenn sie krank wird, gibt es niemanden, der für ihren Sohn sorgen kann. Auf den Vater des Kindes könne sie sich nicht völlig verlassen, sagt sie. Und ein familiäres Netz, das sie auffängt, gibt es nicht.

Krisen-Hotline für Alleinerziehende

Für Sorgen wie diese hat der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Verbands allein erziehender Mütter und Väter e. V. (VAMV NRW) eine Corona-Krisen-Hotline eingerichtet. Dort bekommen Eltern Tipps zu rechtlichen Rahmenbedingungen, finanziellen Hilfen und psychosozialen Beratungsangeboten. »Wir haben seit März viele, viele Anrufe bekommen«, sagt Nicola Stroop, Vorständin des VAMV NRW.

Die Vereinbarkeit von Betreuung und Arbeit sowie die Isolation seien häufig Thema gewesen. »Was wir mitbekommen haben, ist, dass sich die persönliche Belastung durch die Corona-Krise enorm erhöht hat. Die Reaktion darauf ist Stress.« Und wenn Alleinerziehende dann merkten, dass ihre gewohnten Strategien – zum Beispiel Familienangehörige in die Betreuung einzubeziehen – pandemiebedingt nicht mehr funktionieren, steige ihre Beanspruchung weiter. »Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas. Da, wo es vorher schon Probleme gab, läuft es jetzt noch schlechter. Und bei wem es gut lief, der kommt einigermaßen durch die Krise.«

»Als Alleinerziehende fühlt es sich an, als wäre die Bettdecke zu kurz: Irgendwas guckt immer raus«
(Ute Durchholz, alleinerziehende Mutter)

Bei Ute Durchholz lief es besser als bei vielen anderen: Sie startete mit einem Vollzeitjob in die Krise, der ihr Home Office ermöglichte und ausreichend Geld einbrachte. Und mit dem Vater des Kindes gibt es eine Umgangsregelung, so dass er sich 30 Prozent der Zeit um den Sohn kümmert. Das gibt Durchholz die Möglichkeit, wegzuarbeiten, was in der Zwischenzeit angefallen ist. Was ihr aber fehlt, ist jemand, mit dem sie die Anforderungen des Alltags und den ganzen »mentalen Ballast«, wie sie ihre Sorgen nennt, teilen kann.

2021 VAMV_PM_Alleinerziehend im Lockdown_07012021
(Jan. 2021)

Fragen bezüglich des Kinderbonus:

https://www.dijuf.de/coronavirus-faq.html?fbclid=IwAR3C55w2KzTAwBjOhYBsQFglpn7a6ajMw8W6z1vLLRimWFqUsqMzonmkXzA#Rubrikbonus

Kinderbetreuung Notsituation und Jobcenter-Zuständigkeit

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